Enercheck - Ingenieurbüro Letsch

Zur enercheck-Homepage

Stecken wir in der Energiekrise?

Was ist eigentlich Energie? Jeder spricht darüber, aber keiner kann sie anfassen. Sie steckt überall, kann aber nur aufgrund der Effekte, die Sie hervorruft, gemessen werden. Dabei kann Energie nicht erzeugt oder verbraucht, sondern nur gewandelt werden! Alle Energie, die wir einsetzen, war also schon vorher da und bleibt auch in Form von Wärme auf unserem Planeten. Die Makroenergiebilanz unseres Planeten wird fast ausschließlich von der Einstrahlung der Sonne und der Wärmeabgabe über langwellige Strahlung an den Weltraum bestimmt. Trotz des beachtlichen Zuwachses an Energieumsatz der Menschheit in den letzten 130 Jahren spielt auch der heutige Energieumsatz in der Makroenergiebilanz der Erde keine Rolle, denn unsere Sonne strahlt bereits in weniger als einer Stunde die gleiche Energiemenge auf die Erde.

Primärenergieverbrauch weltweit
Weltweiter Energieverbrauch (1t SKE = 8,14 MWh = 8.140 kWh)

Energie ansich ist also nicht das Problem, ein gravierendes Problem aber die Breitstellung derselben. Energie wird weltweit überwiegend aus der Verbrennung von fossilen Energieträgern wie Kohle, Erdöl und Erdgas bereitgestellt. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Klimaforscher! Innerhalb von weniger als 200 Jahren wurde dadurch Kohlendioxid in die Erdatmosphäre geblasen, das über einen Zeitraum von 500 Millionen Jahren durch Bildung der Kohle-, Öl- und Gaslagerstätten der Atmosphäre entzogen worden war. Für die Bereitstellung einer global gesehenen geringen Energiemenge katapultieren wir unsere Erdatmosphäre zurück in einen Zustand, wie er vielleicht vor 600 Millionen Jahren geherrscht hat. Damals gediehen üppige Urwälder in feucht heißem Klima und banden das reichlich vorhandene Kohlendioxid in Holz, das später tief in der Erde zu Kohle wurde. Prima Klima für Dinosaurier, aber wo bleiben dann wir Menschen?

Warum tun wir angeblich so rational denkenden Vertreter der Rasse Homo Sapiens so etwas? Energie ist für uns ein Mittel zum Zweck! Und der Zweck heiligt die Mittel! Als man in England zur Mitte des 19. Jahrhunderts begann, Kohle zum Antrieb von Dampfmaschinen zu verwenden, mit denen dann das in die Kohlegruben eindringende Wasser abgepumpt wurde, hat niemand nach eventuellen Nebenwirkungen gefragt. Als Bewohner eines modernen Industriestaats sind wir mit der Einstellung aufgewachsen, dass Energie immer und überall in ausreichender Menge zur Verfügung gestellt werden muss, denn nur so könne sich Fortschritt und Wohlstand entwickeln. Energie war deshalb nicht billig, sondern einfach selbstverständlich.

Wohin hat das geführt? Der Pro Kopf-Primärenergieeinsatz in Deutschland lag im Jahr 2005 bei 14.238 PJ 2005. Das entspricht etwa 52.000 kWh pro Jahr und Person. Ein Schweizer setzt 55.000 kWh/Jahr, ein US-Amerikaner sogar 100.000 kWh/Jahr um. zum Vergleich: ein Afrikaner setzt 4.800 kWh/Jahr Primärenergie ein. Lassen wir hier die Diskussion, ob es ethisch vertretbar ist, dass ein kleiner Teil der Erdbevölkerung einen großen Anteil der Energiereserven für sich beansprucht beiseite und wenden uns der Frage zu, wofür diese ganze Energie bei uns eingesetzt wird. Nachvollziehbar für einen Deutschen ist, dass er Energie für die Beheizung seiner 4 Wände, für den Betrieb seiner Haushaltsgeräte und für sein Auto oder andere Verkehrsmittel benötigt. Wer etwas weiter denkt, wird auch verstehen, dass sie oder er am Arbeitsplatz Heizenergie, Licht und Arbeitsstrom benötigt. Mit statistischen Mittelwerten und Berücksichtigung von Primärenergiefaktoren, die den tatsächlichen Aufwand zur Bereitstellung der von uns letztendlich genutzten Energie berücksichtigen, kommt man etwa zu folgendem Ergebnis:

Energiebedarf

Primärenergiefaktor

Primärenergie/Person kWh/a

Heizung

Primärenergiefaktor 1,1

7.400

Haushaltstrom

Primärenergiefaktor 3,0

4.500

Auto/Mobilität

Primärenergiefaktor 1,1

9.900

Arbeitsplatz

Heizung+Strom

4.900

Summe

 

26.700

Damit kann aber nur etwa die Hälfte des tatsächlichen Pro-Kopf-Primärenergieaufwand eines Deutschen erklärt werden. Wo bleibt der Rest?

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie viel Energie in einem Kilo Kiwi-Früchte aus Neuseeland steckt? Soviel, dass man 6.800 kg heimisches Obst aus einem Umkreis von 100 km transportieren kann! Für ein Kilo Weintrauben aus Südafrika werden über vier Liter Kerosin verflogen. Energiesparer sind Ökobauern, die z.B. beim Anbau von Tomaten nur 2% der Energie einsetzen, die eine holländische Gewächshaustomate benötigt. Wussten Sie, dass die Nordseekrabben im Laden einen Kurztrip nach Marokko hinter sich haben, weil dort die Schalen für weniger Lohn entfernt werden, als in Deutschland? Insgesamt verursacht so die Nahrungsmittelbereitstellung weltweit 20% des Energiebedarfs und 15% der CO2-Emission!

Unter der Rubrik „Energetisch physikalischer Unsinn, aber betriebswirtschaftlich der Hit“ werden ganz große Nummern durchgezogen. Aus so genanntem Ölsand und Ölschiefer wird in Kanada seit einigen Jahren Heizöl gewonnen. Theoretisch übersteigt die dort gelagerte Ölmenge sogar die Ölvorkommen in Saudi Arabien. Leider sprudelt in Kanada das Erdöl nicht einfach aus dem Boden, sondern versteckt sich in lehmigem Sand, oder muss, wie beim Ölschiefer der Fall, erst noch thermisch umgewandelt werden. Der Energieeinsatz bei diesen Verfahren beträgt deshalb bis zu 90% des Energieinhalts des gewonnenen Öls! Aufgrund des hohen Preises, der für Öl auf dem Weltmarkt bezahlt wird, ist es also (betriebs-)wirtschaftlich, etwas günstigere Energie aus Erdgas und Kohle einzusetzen, um die gleiche Energiemenge in der Edelform Öl wieder zu verkaufen!

Heizöl aus kanadischem Ölsand

Ölschiefer als Energie der Zukunft?

Ölsand Ölschiefer

Da ist es noch günstiger, Öl aus nachwachsenden Rohstoffen zu gewinnen. Aber glauben Sie nicht, dass die ca. 1.400 l Rapsöl, die in Deutschland aus einem Hektar Ackerfläche gewonnen wird, nur die Energie der Sonne enthält. Knapp die Hälfte der im Rapsöl enthaltenen Energie wird für Dünger, Schlepperbetrieb und Pflanzenschutz benötigt, und ganz konventionell über fossile Brennstoffe bereitgestellt! Aber das ist ja die Technik von gestern, die Zukunft liegt doch beim Wasserstoff. Im nächsten Jahr soll in Brandenburg ein so genanntes Hybrid-Kraftwerk in Betrieb gehen, bei dem aus Wind und Biogas Wasserstoff gewonnen werden soll, der dann wieder an anderer Stelle in Strom und Wärme umgewandelt werden kann. Hört sich gut an, aber von der mühsam aus der Umwelt gewonnenen Energie wird letztendlich weit weniger als die Hälfte beim Letztverbraucher ankommen. Herzlichen Glückwunsch, damit liegen wir dann wieder bei der Energieeffizienz eines Atomkraftwerks. A propos Nuklearenergie. Diese steht wieder hoch im Kurs: Libyen liegt in Nordafrika und hätte doch nach unserem Ermessen gigantische Möglichkeiten, um Wärme aus Sonnenenergie zu gewinnen. Natürlich nicht zum Heizen, sondern um Meerwasser zu entsalzen. Die Franzosen haben den Libyern aber offensichtlich klargemacht, dass es viel besser ist, einen Atomreaktor für diese Aufgabe einzusetzen. Solange die Menschheit so freizügig auf die natürlich angebotene Energie verzichtet, können wir keine Energiekrise haben!

Energie gibt es genug, aber wir stecken in einer Ideenkrise, diese sicher und umweltfreundlich für effiziente Anwendungen zur Verfügung zu stellen. Solange uns hier nicht ein Licht aufgeht kann es nicht schaden, wenn wir als Kunden und Konsumenten ein Energiebewusstsein entwickeln, das uns vor unsinniger Energieverschwendung warnt, und entsprechende Produkte im Laden stehen lässt.

Weitere Infos zum Thema Energie erhalten Sie direkt bei enercheck.de:

EnerCheck - Ihr Partner in Sachen Energie
Energieberatung, Energieausweise und Planung
Silberburgstr. 125
D- 70176 Stuttgart
Tel.: +49 (0) 711 351 405 01
FAX: +49 (0) 711 351 405 11
E-Mail: info@enercheck.de


Presseberichte: Palmöl für Blockheizkraftwerk, Blockheizkraftwerke (BHKW), Stecken wir in der Energie-Krise?, Was bringt der Energiepass?, Feinstaub