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Was bringt der Energiepass ?

nach viel Diskussion und Gerangel ist er jetzt also da, der Energieausweis! Die Auswirkungen auf die Gebäudeeigentümer, über die so lange gestritten wurde, lassen sich einfach zusammenfassen:

  1. bei Neuvermietung oder Verkauf einer Wohnung/Wohngebäude muss dem potenziellen Käufer ein Energiepass zugänglich gemacht werden.
  2. für Wohngebäude mit bis zu 4 Wohneinheiten, die bis 1965 errichtet wurden und inzwischen nicht modernisiert wurden, muss der Energiepass zuerst vorliegen, nämlich ab 1.Juli 2008. Für später errichtete Gebäude ab 1.1.2009.
  3. bis zum 30.09.2008 besteht für alle Gebäude Wahlfreiheit, ob der Energiepass auf Basis des tatsächlichen Verbrauchs oder des nach Energieeinsparverordnung berechneten Bedarfs erstellt wird. Danach ist die Erstellung eines Bedarfsausweises für Wohngebäude bis 4 Wohneinheiten und Bau vor Einführung der Wärmeschutzverordnung 1977 Pflicht.
  4. Bisher ausgestellte und neu ausgestellte Energieausweise gelten 10 Jahre ab Ausstellungsdatum.

Fragen wir doch lieber, wieso es diesen Energiepass gibt, und was er bringen soll. Am Anfang stand die Richtlinie "Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden" (Richtlinie 2002/91/EG vom 16. Dezember 2002) der EG. Diese wurde auf Grundlage der Novellierung des Energieeinsparungsgesetzes (EnEG) im September 2005 in deutsches Recht umgesetzt. Ursprünglich sollten damit ab dem 4.1.2006 Energieausweise für Wohngebäude Pflicht werden. Die Ausstellung von Energie(Bedarfs)ausweisen wurde aber bereits seit 2002 von der geltenden Energieeinsparverordnung für Neubauten gefordert. Deshalb musste auch die Energieeinsparverordnung überarbeitet werden, und die ist Ländersache. Bis sich alle Bundesländer und der Bund einig waren, hat es eben etwas länger gedauert, Energieausweise werden mit 2 ½ Jahren Verspätung aber schließlich doch noch eingeführt.

Warum das Ganze? In Deutschland gibt es ungefähr 17,3 Millionen Wohngebäude, 73 Prozent davon wurden bis 1978, also vor dem Wirksamwerden der ersten Wärmeschutzverordnung, errichtet. Die Heiz- und Warmwasserkosten sind bei weitem die größten Posten bei 1 Wohnfläche und Monat aus. Bei einer 80 Quadratmeter großen Wohnung sind das 68,80 Euro im Monat mit steigender Tendenz. Noch immer wird in Deutschland ein Drittel des gesamten Primärenergieverbrauchs für die Raumheizung und Warmwasserbereitung aufgewendet.

Dies ist eine längst bekannte Tatsache und deshalb wurden beginnend mit der ersten Wärmeschutzverordnung 1978 immer höhere Anforderungen an den Wärmeschutz von Neubauten gestellt. Trotzdem hat sich der Energieverbrauch der Wohngebäude in Deutschland kaum verändert, wie nachfolgende Tabelle zeigt:

Endenergieverbrauch

Solange der hohe Heizenergiebedarf älterer Gebäude erhalten bleibt, wird der Energiebedarf für Wohngebäude insgesamt nicht sinken, so die Erfahrung der letzten Jahre. Um das Bewusstsein der Gebäudenutzer für den Heizenergieverbrauch zu erhöhen, soll der Energiepass einen objektiven Vergleich der energetischen Qualität von Wohngebäuden ermöglichen. Das soll die Nachfrage im Wohnungsmarkt nach energieeffizientem Wohnraum erhöhen. All das klingt plausibel, zumal heutzutage die kräftig gestiegenen Energiepreise jeden beschäftigen. Wer aber wird tatsächlich handeln?

Am Beispiel von Rheinland Pfalz ist in folgender Tabelle die Struktur des Wohngebäudebestands dargestellt:

Rheinland Pfalz 2006

Gebäude

Wohnungen

Einfamilienhäuser

762.209

762.209

Zweifamilienhäuser

227.029

454.058

Mehrfamilienhäuser

117.263

661.774

Gesamt

1.106.501

1.878.041

Ein- und Zweifamilienhäuser werden überwiegend von den Gebäudebesitzern bewohnt. Eine Veranlassung zur Ausstellung eines Energieausweises besteht deshalb bei dieser Gruppe nur dann, wenn der Verkauf eines Gebäudes vorgesehen ist. Überträgt man diese Erkenntnis auf ganz Deutschland wird klar, dass für voraussichtlich mehr als die Hälft aller Wohngebäude in den nächsten Jahren kein Energiepass erstellt werden wird.

Bei Mehrfamilienhäusern wächst mit der Anzahl der Wohneinheiten die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mieter/Eigentümer wechselt. Deshalb werden Energieausweise zunächst überwiegend für größere Gebäude ausgestellt werden.

Egal welche energetische Bewertung ein bestehendes Gebäude im Energiepass erhält, resultieren daraus keine Anforderungen des Gesetzgebers, den energetischen Zustand zu verbessern. Das bloße Ausstellen von Energieausweisen wird deshalb keine Kilowattstunde an Energieeinsparung bringen. Deshalb wurden Förderprogramme in´s Leben gerufen, die Modernisierungswillige z.B. über die Kreditanstalt für Wiederaufbau mit zinsgünstigen Darlehen versorgen. Außerdem wird bei sanierten Gebäuden, die die Anforderung der Energieeinsparverordnung an einen Neubau erfüllen oder deutlich übertreffen, ein Teilschulderlass gewährt.

Im Jahr 2006 wurden 265.000 Wohnungen und Eigenheime saniert. Für gedämmte Wände und Dächer, dichte Fenster und neue Heizungsanlagen konnten gemeinsam mit der KfW-Förderbank 1,5 Milliarden Euro für die Verbilligung von Krediten und für Tilgungszuschüsse zur Verfügung gestellt werden. Damit konnten Kredite von 9,4 Milliarden Euro zugesagt und insgesamt Investitionen in Höhe von 11 Milliarden Euro ausgelöst werden. Insgesamt konnten so rund 900.000 Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß vermieden werden. Es bleibt abzuwarten, ob sich dies Zahlen nach Einführung des Energieausweises deutlich erhöhen. Denn trotz guter Förderbedingungen scheitert der Wille zur umfassenden energetischen Sanierung oft am Geldbeutel. Bisher werden daher nach Angaben des Fachverbands für Wärmedämmverbundsysteme nur 2 von zur Sanierung anstehende Gebäude wärmegedämmt. Die Förderprogramme der KfW fordern die Durchführung der Modernisierungsmaßnahmen innerhalb eines Jahres. Weder Hausbesitzer noch Wohneigentümergemeinschaften haben in der Regel die für die Sanierung der Außenwände, Fenster, Dach und eventuell auch noch der Heizungsanlage erforderlichen Mittel zur Verfügung. Die Bildung höherer Rücklagen erfordert Zeit und wird regelmäßig nicht auf das Wohlwollen älterer Haus- und Wohnungsbesitzer treffen, weil diese nicht mehr von langfristigen Energiekosteneinsparungen profitieren können.

Auch nach Einführung der Pflicht für die Ausstellung von Energieausweisen wird die Durchführung von energetischen Modernisierungsmaßnahmen von der Verfügbarkeit finanzieller Mittel abhängen. Modernisierungsmaßnahmen werden sich weiterhin am besten rechnen, wenn sowieso Sanierungsmaßnahmen an der Gebäudehülle oder der Heizungsanlage anstehen. Wer dann als Gebäudebesitzer handeln will, sollte eine umfassende Energieberatung mit detaillierten Einsparvorschlägen durchführen lassen, der Energiepass fällt dabei automatisch als Nebenprodukt an.

Der Energieausweis, egal wer ihn ausstellt, ob bedarfs- oder verbrauchsorientiert wird voraussichtlich im professionellen Vermietungsbereich eine Rolle spielen. Die Kosten für die Ausstellung von Energieausweisen werden auf die Gültigkeitsdauer von 10 Jahren betrachtet marginal bleiben. Einige Wohneigentumsgemeinschaften mit dezentralen Heizungsanlagen werden sich gern für den aufwendigeren und teuereren bedarfsorientierten Energiepass entscheiden, wenn ihnen dafür erspart bleibt, von allen Nutzern des Gebäude einzeln die Energieverbräuche der letzten 3 Jahre abzufragen und zusammenzustellen.

Ist der Energiepass das letzte Wort? Zunächst ja, aber die eingangs zitierte Richtlinie "Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden" fordert auch eine jährliche Verbesserung der Energieeffizienz, das heißt jährlich abnehmenden Wärmeverbrauch zur Bereitstellung von Heizwärme für den gesamten Wohnsektor. Werden gesetzte Ziele nicht erreicht, muss und wird der Gesetzgeber weitere Maßnahmen ergreifen. Der nächste Schritt wäre zum Beispiel eine Pflicht zur Einhaltung eines Mindestwärmeschutzes, der, falls nicht vorhanden, nachgerüstet werden muss. Würden Sie die Hand dafür in´s Feuer legen, dass darüber nicht schon bei Fachverbänden und in politischen Kreisen heiß diskutiert wird?

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