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Feinstaub, ein Thema in aller Munde!

Klimakatastrophe, CO2-Debatte, Energiepreisexplosion und jetzt auch noch Feinstaub! Sind wir noch zu retten? In den letzten Wochen sind Holzpelletfeuerungen in Medienberichten unter Beschuss geraten. Dies führte sogar soweit, dass Hausbesitzer, die eine Pelletfeuerung betreiben, als Umweltsünder beschimpft werden. Kritikpunkt ist dabei: Die mit Umweltfreundlichkeit werbenden Holzpelletfeuerungen stoßen mehr Feinstaub aus als Öl- oder Gasfeuerungen aus. Das ist eine Tatsache, die nicht erst seit heute bekannt ist. Deshalb ist eine Versachlichung der Diskussion notwendig.

Feinstaub

Was ist Feinstaub? Als Feinstaub bezeichnet man die Teilmenge des Staubes, dessen Partikel einen aerodynamischen Durchmesser bis 10 Mikrometern (10 µm = millionstel Meter) haben. Da diese Partikelgröße nur bedingt von den Schleimhäuten im Nasen/Rachenraum bzw. den Härchen im Nasenbereich zurückgehalten werden, gelangen diese Teilchen ungehindert in die Lungen, lagern sich dort ab und können zu Entzündungen führen. Die schädigende Wirkung des Feinstaubs wurde bereits 1980 von der europäischen Kommission anerkannt, deshalb wurden die Mitgliedstaaten verpflichtet, einen Jahresmittelwert von 80 Mikrogramm (millionstel Gramm)/Kubikmeter Luft nicht zu überschreiten. Der Tagesmittelwert im Winter durfte 130 Mikrogramm/ Kubikmeter erreichen und der Maximalwert im Jahr 250 Mikrogramm/ Kubikmeter. Seit dieser Zeit ist die Gesamtstaubbelastung in Deutschland stark zurückgegangen. Von 1990 bis 2002 sank die Gesamtbelastung von über 1.883.000 auf 209.000 Tonnen/Jahr ab. Diesem Erfolg stand jedoch die Erkenntnis der Medizin gegenüber, dass trotz der deutlichen Reduzierung der emittierten Staubmengen die Lungenschädigungen fast unverändert auftraten. Dies wurde hauptsächlich darauf zurückgeführt, dass der Anteil des Feinstaubs mit den bisherigen Luftreinhaltemaßnahmen nicht wesentlich reduziert wurde. Deshalb wurde 1999 von der Europäischen Gemeinschaft eine Reduzierung der Feinstaubgrenzwerte beschlossen, die ab 2005 die Einhaltung eines Jahresmittelwerts von 40 Mikrogramm /Kubikmeter fordert, wo ein Maximalwert von 50 Mikrogramm/Kubikmeter nur 35 Mal/Jahr überschritten werden darf. Ab 2010 sollen sogar nur noch 7 Überschreitungen von 50 Mikrogramm/Kubikmeter Feinstaub PM10 erlaubt sein und ein Jahresmittelwert von 20 Mikrogramm/Kubikmeter muss eingehalten werden.

Hier beginnt das eigentliche Problem: Die zuständigen Behörden müssen bei Überschreitungen kurzfristig mit Aktionsplänen Gegenmaßnahmen treffen. Sie sind verpflichtet, Luftreinhaltepläne aufzustellen, wenn zukünftig geltende Grenzwerte deutlich überschritten werden.In mehreren europäischen Ballungsgebieten werden die Grenzwerte überschritten. Als erste deutsche Stadt hat Stuttgart am 13. März 2005 den Grenzwert zum 35. Mal überschritten. Obwohl die Grenzwerte seit 1999 bekannt waren, geschah in Deutschland in Punkto Reduzierung von Staubemissionen nur etwas im Bereich von Großfeuerungen. Heute liegt der Mittelwert der Feinstaubbelastung bundesweit bei 20 – 35 Mikrogramm/Kubikmeter, die Einhaltung der ab 2010 geltenden Grenzwerte wird also für viele Regionen ein Problem darstellen, ganz zu schweigen von den Ballungsräumen.

Hauptverursacher des anthropogenen Anteils am Feinstaub in Deutschland sind laut Bundesumweltministerium, Stand 2001:

[1 kt/a = 1000 t(Tonnen)/Jahr]

Dazu kommen noch natürliche Feinstaubquellen wie Saharastaub, Pollen, Waldbrände, Vulkanausbrüche.

Bei den Privathaushalten und Kleinverbrauchern tragen die Kleinfeuerungsanlagen maßgeblich zur Feinstaubemission bei. Wie aus nachfolgender Grafik deutlich wird, hat sich die Feinstaubemission aus diesen Anlagen in den letzten 8-10 Jahren insgesamt kaum verändert. Die zunehmenden Emissionen aus Holzfeuerungen wurden durch einen Rückgang der Kohlebrennstoffe ausgeglichen.

Brennstoffe

Insgesamt tragen Holzfeuerung zu weniger als 1/6 der Feinstaubemission in Deutschland bei. Wird nur der Anteil moderner Holzpelletfeuerungen betrachtet, so liegt deren Anteil an der gesamten Feinstaubemission bei unter 4%.

Wie andere Technologien entwickelt sich auch die Holzfeuerung immer weiter, wobei bereits beachtliche Fortschritte in Bezug auf die Reduktion von Feinstaub erreicht wurden. Im Vergleich zu den seit langer Zeit genutzten Stückholzfeuerungen liegt die Feinstaubemission von Pelletfeuerungen bei nur einem Zehntel. Weitere technologische Verbesserungen werden erwartet.

Feuerung

Nennwärmeleistung [kW]

PM10 [kg/TJ Brennstoffenergie]

(Offene) Kamine

< 15

158

Kaminöfen

< 15

113

Kachelöfen

< 15

111

Dauerbrandöfen

< 15

71

Pelletkessel

4 - 25

22

Pelletkessel mit Brennwertnutzung
(in Entwicklung)

4 - 25

7*

* Heutige Pelletkessel liegen bezüglich der Staubemission auf dem Niveau älterer Ölkessel, neue Ölkessel erreichen unter 2 kg/TJ

Um die niedrigen Feinstaubgrenzwerte ab dem Jahr 2010 zu erreichen sind Anstrengungen auf allen Emissionsgebieten notwendig. Im Bereich der Kleinfeuerungsanlagen ist dringend eine Überarbeitung der 1. BimschV erforderlich, da diese bisher bei der Staubemission mit dem Stand der Technik der Mitte des vorigen Jahrhunderts erfüllt werden kann. Aus diesem Grund war es auch möglich, dass in den letzten beiden Jahren Holzöfen mit sehr ineffektiver Feuerungstechnik auf den Markt gebracht werden konnten, die von arglosen Kunden gekauft wurden, die sich davon ein Stück Unabhängikeit von den explodierenden Gas- und Ölpreisen erfofft hatten. Nun droht seitens des Gesetzgebers, dass diese Anlagen wieder stillgelegt werden müssen, weil sie Anforderungen, die jetzt im Nachhinein aufgestellt werden, nicht erfüllen können. Dies mag zwar umweltpolitisch sinnvoll sein, aber muss der Bürger die Zeche bezahlen, wenn der Gesetzgeber seine Hausaufgaben nicht macht und notwendige Regelungen erst 5 nach 12 verabschiedet? Vor diesem Hintergrund sollte auch die weitere Verschärfung der Grenzwerte für Feinstaub ab 2010 nochmals überdacht werden.

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