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Palmöl für Blockheizkraftwerke (BHKW)=Der Tod des Urwalds?

Das Thema Energie wird gerade in der Wohnungswirtschaft immer wichtiger. In unserer Serie „Der Energiereport“ wollen wir Trends, aktuelle Entwicklungen und Innovationen auf dem Energiesektor mit praktischem Nutzen für die Verwalterzunft vorstellen. Heute widmet sich Dipl. Ing. Jochen Letsch dem Einsatz von Pflanzenöl im Allgemeinen und der Verwendung von Palmöl als Treibstoff für Blockheizkraftwerke im speziellen.

In den vergangenen Wochen erschienen immer wieder Berichte in den Medien, die auf die Problematik der Verwendung von Palmöl als Treibstoff für Blockheizkraftwerke (BHKW) hinwiesen. Die Verwendung von Palmöl in Blockheizkraftwerken sei Ursache für die in den Urwäldern Malaysias und Indonesien durchgeführten Brandrodungen zur Anlage neuer Ölpalm-Plantagen. Eine als umweltfreundlich geltende Energietechnik in Misskredit zu bringen ist immer gut für Schlagzeilen und Einschaltquoten, aber was ist wirklich dran an der Sache?

Ölpalmen werden schon seit Menschengedenken zur Gewinnung von Palmöl angebaut. Dabei stand die Gewinnung von Nahrungsmittel im Vordergrund, die energetische Nutzung beschränkte sich auf den Einsatz als Lampenöl. Mit dem Fortschritt der Technik wurde auch der Ölpalmenanbau intensiviert, größere Flächen wurden angebaut, Plantagen entstanden. Bis 1980 blieb die weltweite Anbaufläche mit ca. 4 Mio. Hektar (1 Hektar entspricht der Fläche eines Quadrats von 100m x 100m) weitgehend konstant. Danach begannen vor allem die Länder Malaysia und Indonesien, in denen der Anbau von Ölpalmen bis dato keine große Rolle gespielt hatte, intensiven Ölpalmanbau. Bis 2004 wurden allein in diesen beiden Staaten Palmölplantagen mit einer Fläche von ca. 7 Mio. Hektar überwiegend auf Kosten des tropischen Regenwalds angelegt.

Ölpalmenanbau
Quelle: IFEU 2006, FAOSTAT 2006

Spätestens seit den 1990ern warnen Umweltschutzorganisationen wie der WWF (Worl-Wildlife Found) vor den Gefahren, die von der Abholzung des Regenwalds ausgehen. Das wollte aber in Europa und anderswo in der Welt niemand hören, bzw. war und sind wir uns als Verbraucher nicht bewusst, in welchen Produkten überall Palmöl enthalten ist. Seine Verwendung reicht von Weihnachtsbäckerei über Shampoo und Kosmetika, große Mengen werden auch in der chemischen Industrie verbraucht. Bis 2004 stieg die weltweite Palmölproduktion auf über 33 Millionen Tonnen an, wovon ca. 20 Millionen Tonnen weltweit gehandelt wurden. Zirka 3 Millionen Tonnen Palmöl pro Jahr wurden in die Europäische Union importiert. 2004 stieg mit Verabschiedung des novellierten Gesetzes zur vorrangigen Nutzung erneuerbarer Energie (EEG) in Deutschland das Interesse an der Nutzung von Pflanzenölen zur Stromerzeugung. Der Gesetzgeber hatte dabei wohl vorwiegend die Nutzung einheimischen Rapses beabsichtigt, jedoch findet sich im Gesetzestext weder eine Anforderung an die Herkunft des Pflanzenöls, noch an die Nachhaltigkeit seiner Produktion, geschweige denn ein Hinweis darauf, mit welchen Dokumenten Nachhaltigkeit nachgewiesen werden soll. Technisch gesehen sind alle Pflanzenöle grundsätzlich für den Einsatz in Blockheizkraftwerken geeignet und nach EEG auch zugelassen. Eine ganz klare Abtrennung wollte der Gesetzgeber gegenüber der Abfallwirtschaft erreichen. Der Einsatz von (teurem) naturbelassenem Pflanzenöl sollte gegenüber (billigem) Altfett und gefiltertem Fritteuseöl bevorzugt werden. Deshalb wird die Stromerzeugung aus naturbelassenen Pflanzenölen bei Anlagen bis 500 kW elektrischer Leistung mit zusätzlichen 6 ct/kWh vergütet, was immerhin etwa ein Drittel der gesamten Stromvergütung ausmacht und überhaupt erst den wirtschaftlichen Betrieb eines Pflanzenöl-Blockheizkraftwerkes in dieser Leistungsklasse ermöglicht.

Raps wurde 2004 bereits in großem Stil zur Ölgewinnung angebaut, weil es zur Erzeugung von Biodiesel verwendet wurde. Und hier beginnt das Problem: Durch die Vorgabe der Europäischen Union an die Mineralölwirtschaft, bis zum Jahr 2010 mindestens einen Anteil von 5,75% Biotreibstoff am gesamten Kraftstoffverbrauch zu garantieren, wurde der Rapsölmarkt in Deutschland leergefegt. Die Mineralölkonzerne durften einen Teil ihres Treibstoffes mit Biodiesel aus Rapsöl ersetzen. Gegenüber dem Kunden wurde und wird an der Tankstelle argumentiert, dass durch die Zumischung von Biokraftstoff Mehrkosten entstehen und deshalb der Spritpreis steigt. Weil der Anteil des Biotreibstoffes jedoch bis 2007 mineralölsteuerfrei war (Steueranteil >60 ct/l!), verdienten sich die Mineralölkonzerne mit der Beimischung eine goldene Nase! Aufgrund der starken Nachfrage aus dem Treibstoffsektor stieg der Rapsölpreis bis heute um gut 20 ct/l gegenüber dem Preisstand 2004 an. Kein Problem für die Mineralölwirtschaft, aber die Wirtschaftlichkeit von Pflanzenöl-BHKW ist bei vielen Anwendungen dadurch nicht mehr gegeben. Deshalb mussten sich die Betreiber von Pflanzenöl- Blockheizkraftwerken nach Alternativen umsehen und fanden diese in Form von Palm- und Sojaöl, die in großem Stil auf dem Weltmarkt gehandelt werden.

Palmöl gelangt über große Tankschiffe an europäische Seehäfen wie Rotterdam und Hamburg. Dort wird es zwischengelagert, wobei in großen Tankanlagen Palmöle unterschiedlicher Produzenten und Herkunftsländer gemischt werden können. Dies macht eine Rückverfolgung der Herkunft des beim Endverbrauchern angelieferten Palmöls schwierig bis unmöglich.

Genau dieser Nachweis soll jetzt von den Betreibern von Pflanzenöl- Blockheizkraftwerken gefordert werden. Weil seitens des Gesetzgebers erst an einem Zertifizierungssystem für Pflanzenöle in Bezug auf Nachhaltigkeit gearbeitet wird, bzw. Regierungsstellen Aktivitäten auf diesem Gebiet wohlwollend beobachten (mehr nicht!), muss jeder Anlagenbetreiber selbst sehen, wie er nachweisen kann, dass das bei ihm angelieferte Palmöl ausschließlich aus Pflanzen gewonnen wurde und zukünftig auch, dass diese Pflanzen nicht auf einem gerade gerodeten Regenwald gewachsen sind! Vielleicht werden wir ja als deutsche Autofahrer bald nach der Ölquelle gefragt, aus der das Rohöl für das Benzin stammt, das wir gerade getankt haben!

Die deutsche Regierung arbeitet im Moment an einer Zertifizierungsverordnung, auf deren Grundlage die Zulässigkeit der Verwendung pflanzlicher Öle für die Herstellung von Kraftstoffen und zur Verwendung in stationären Anlagen wie z.B. Blockheizkraftwerken geregelt wird. Der generelle Ausschluss von Palmöl ist dabei nicht vorgesehen und auch nicht zielführend. Wie aus nachstehender Tabelle deutlich wird, produziert keine andere Ölpflanze auf der gleichen Anbaufläche nur annähernd soviel Öl wie die Ölpalme.

Ölerträge
Weltweit durchschnittliche Frucht- und Ölerträge (Raps kann z.B. nur alle 3 Jahre auf derselben Fläche angebaut werden)

Für die Ölpalme kann noch von einem großen Verbesserungspotenzial ausgegangen werden, denn teilweise werden Erträge von 10 Tonnen Palmöl je Hektar und Jahr erreicht. Über Ertragssteigerung und Nutzung von Brachflächen kann nach heutigen Schätzungen auf nachhaltige Weise der zukünftige Palmölbedarf gedeckt werden.

Das ehrgeizige Ziel der Europäischen Union, bis 2020 10% des Kraftstoffbedarfs über Biokraftstoffe abzudecken, wird nur über den Import von Pflanzenölen aus Ländern außerhalb Europas möglich sein. Dabei wird auch Palmöl eine bedeutende Rolle spielen. Die Verwendung von Palmöl zur Stromerzeugung wird gegenüber den Mengen, die in der Nahrungsmittelindustrie und zur Herstellung von Kraftstoffen verwendet werden, untergeordnet bleiben.

Deshalb sollten längst überfällige Regelungen zur Sicherung der Nachhaltigkeit beim Anbau von Ölpalmen nicht auf dem Rücken von Betreibern von Pflanzenöl- Blockheizkraftwerken ausgetragen werden. Die haben schon ausreichend Sorgen, ihre Anlagen an das Stromnetz angeschlossen zu bekommen und dann mit dem diffizilen Brennstoff Palmöl am Laufen zu halten.

Vielleicht sollte bei der laufenden Nachhaltigkeitsdebatte auch einmal die konventionelle Energieversorgung betrachtet werden. Sinkende Öltanker, leckende Öl-Pipelines und die Freisetzung von Treibhausgasen bei der Erdgasförderung könnten doch auch ein wenig problematisch sein, oder?

Ölpalmen-Plantage

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